Kapsch World als Ort der Geschichte

Der Unternehmensgründer Johann Kapŝ wird im März 1845 in einem Dorf in der Gottschee, einer deutschen Sprachinsel in Krain (heutiges Slowenien), als Bauernsohn geboren. Als Jugendlicher zieht er nach Wien, um eine Lehre als Mechaniker zu beginnen. 1871 ändert er seinen Namen zu Kapsch und heiratet Theresia Panzer. 1892 gründet er eine eigene Mechaniker-Werkstätte in der Schottenfeldgasse 53, unterstützt von seinen Söhnen Johann, Josef und Karl.

1904 wird das von Beginn an erfolgreiche Unternehmen in Kapsch u. Söhne umbenannt, und 1913 eröffnet eine neue Fabrik für Telefon-, Telegrafen- und Präzisionsinstrumente in Altmannsdorf. 1916 wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1921, nach 29 Jahren an der Unternehmensspitze, verstirbt der 76-jährige Johann Kapsch.

Von den Söhnen weitergeführt, expandiert das Unternehmen in das Radiogeschäft und eröffnet 1927 ein zweites Werk. Während des Zweiten Weltkriegs ist das Unternehmen ein wichtiger Zulieferer für Funktechnologie der Wehrmacht. Nach dem Krieg macht sich die Familie gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern daran, das fast völlig zerstörte Unternehmen wieder aufzubauen.

In den 50er und 60er Jahren floriert das Unternehmen, wächst und expandiert in neue Geschäftsbereiche. 1982 tritt Georg Kapsch, Urgroßenkel des Gründers, in das Unternehmen ein und 1989 wird er Mitglied des Vorstands. 2022 tritt Samuel Kapsch in das Unternehmen ein, und im April 2025 wird er in den Vorstand berufen. Das Unternehmen wird seit nunmehr fünf Generationen familiengeführt.

Radio-Phonographen

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Prototyp einer Radio-Phono-Kombination

Dieser Prototyp wurde von Karl Kapsch jun. und Josip Slišković entwickelt. Das Gerät hatte bereits 11 (!) Röhren und verfügte über einen sogenannten „Konzertlautsprecher“, einen Plattenspieler mit drei Geschwindigkeiten sowie einen Timer mit 24-Stunden-Anzeige. Da die Produktionskosten jedoch zu hoch waren, wurde nur der Prototyp hergestellt.
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Radio-TV-Phono-Gerät

Dieses Gerät besteht aus einem Radio (Mondial 3D), einem Fernseher, einem Doppelplattenspieler sowie einem Plattenwechsler für 10 Platten mit vier Geschwindigkeiten.

Radios

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Kapsch „Pionier W“

Dieser Dreiröhren-Bildschirm-Gitterempfänger verfügte auch über einen Anschluss für die Wiedergabe von Schallplatten. Wie in der Beschreibung angegeben, bot das Radio „garantierten Empfang von ausländischen Sendern, selbst in der Nähe eines starken lokalen Senders“. Der kleine Trichterlautsprecher stammt aus dem Jahr 1924.
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Kapsch "Regent"

Der „Regent“ war ein 5-Röhren-Radio mit Fading-Balance, d. h. die Lautstärken der empfangenen Sender wurden ausgeglichen. Das Radio hatte ein elegantes Holzgehäuse und einen eingebauten Lautsprecher.
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Kapsch "Mucki"

Der „Mucki“ war ein typischer Entwurf von Kapsch-Chefingenieur Josip Slišković. Er bewies sein Talent, indem er Geräte entwarf, die so klein wie möglich waren und den Platzbedarf der Technologie minimierten – ein Ansatz, der in der Unterhaltungselektronik bis heute beliebt ist. Das Gerät war in Braun, Rot, Grün oder Blau erhältlich.
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Kapsch "Weekend 52"

Kofferradios wurden als „Reiseeinheiten“ bezeichnet. Das „Weekend 52“ in Kofferform mit auffälligem Griff unterstrich optisch den Bezug zum Reisen: Durch Öffnen des Kofferdeckels wurde das Radio eingeschaltet, durch Schließen wieder ausgeschaltet.
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Kapsch "Capri"

Transistoren revolutionieren den Bau von Radios. „Capri“ ist das erste volltransistorisierte Kofferradio, das Kapsch produzierte. Für 300 Betriebsstunden wurden nur 2 Taschenlampenbatterien benötigt.
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Kapsch "TR 20"

Dieses Transistorradio verfügte über getrennte Frequenzwähler für AM- und FM-Übertragungsbereiche und war mit einer separaten Taste für Ö3 (österreichischer Radiosender) ausgestattet. Das „TR 20“, eines der letzten Produkte im Radiobereich, das von Kapsch selbst hergestellt wurde, blieb bis 1977 im Sortiment.

Telegraphy and Telephony

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Telefon mit Kippschalter

Der Kippschalter diente dazu, Anrufe zwischen Telefonen innerhalb eines Gebäudes weiterzuleiten. Das Wählen erfolgte mit dem Drehknopf, und die weiße Taste ließ das Telefon klingeln.
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Tragbarer Telegraphen-Reliefschreiber

Der Reliefschreiber bot zwei Vorteile: Erstens waren alle Komponenten auf einer Platte montiert, wodurch das Gerät leicht zu transportieren war. Zweitens hinterließ der Schreiber eine Prägung auf dem Papier – was besonders für das Militär von Vorteil war, da es die Analyse von Informationen ohne Lichtquelle ermöglichte.
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Induktortelefon Ö10

Um einen Anruf zu tätigen, musste die Kurbel dieses Telefons gedreht werden. Die Kurbel bewegte einen Induktor, der Elektrizität erzeugte. Die Elektrizität, die das Sprechen ermöglichte, wurde von Batterien geliefert.
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„Tragring Type"-Tischtelefon, Modell der österreichischen Post

Dieses Telefon war sehr praktisch: In der Mitte befand sich ein Ring, mit dem das Telefon mit einem Finger angehoben werden konnte. So konnte man das Gerät tragen und gleichzeitig damit telefonieren.
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„TFS 56"-Fernsehgerät

Im August 1955 wurden die ersten Testprogramme ausgestrahlt. Der offizielle Startschuss für das Fernsehen in Österreich fiel Anfang November 1955 mit der Übertragung von Beethovens Fidelio aus der Wiener Staatsoper. Auf der Herbstmesse präsentierte Kapsch das „TFS 56“. Der Verkaufspreis von 7.000 Schilling entspricht heute etwa 4.000 Euro.
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Telefon Typ W 64

1964 begann die Produktion des ersten Tischtelefons aus Kunststoff. Dieses Telefon verfügte über eine Leiterplatte anstelle eines verdrahteten Schaltkreises.
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Farbfernsehgerät „Idochromat"

Dieses Fernsehgerät wurde speziell für den österreichischen Markt entwickelt. Es wurde großer Wert darauf gelegt, die schwierigen Empfangsbedingungen im ganzen Land auszugleichen. Zu diesem Zweck kamen Hochleistungs-Synchronisationsgeräte zur Bildstabilisierung zum Einsatz. Das Fernsehgerät wog 39 kg.
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Drucktastentelefon W 80

In den 1980er Jahren wurde das Sortiment an Telefonapparaten deutlich bunter. Das W 80-Telefon war in acht verschiedenen Farben erhältlich: Chamois, Sand, Gelb, Orange, Dunkelrot, Blau, Moosgrün und Dunkelbraun.
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Mobiltelefon „Mobilstar“, AT C90

Das „MobilStar“ war für den Betrieb im C-Netz konzipiert und verfügte über eine Speicherkapazität für 100 Telefonnummern. Die Stromversorgung befand sich ebenfalls in der Ledertragetasche. Insgesamt wog das Mobiltelefon 11 kg – so viel wie 40 moderne Smartphones zusammen. Hergestellt wurde es im Werk in Fürstenfeld.